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Stefan Speth

Stefan Speth studierte Bildhauerei, Architektur und Design in Deutschland und England und arbeitet als Movie Art Direktor/ Filmarchitekt in Berlin.
„Kein Filmprojekt ist wie das andere. Jedes verlangt seine eigene Herangehensweise und seine eigene Umsetzungsart - dadurch bekommt der Film Schritt für Schritt seinen eigenen Style und Look.“
Meilensteine seiner bisherigen Arbeit waren „Anonymous“ (2011), „Cloud Atlas“ (2012), „The Grand Budapest Hotel“ (2013) und „The Martian“ (2015).
Er gewann bereits zweimal den den Art Directors Guild Award. Außerdem erhielt einer der Filme, bei deren Art Departments er mitgestaltete, einen Oscar.

Ich wurde gefragt, was ein Art Director beim Film können muss. Die Antwort ist sehr einfach : „Von allem ein bisschen.“
Es gilt den Überblick über die Gewerke und Spaß bis zum Schluss zu behalten.
Egal ob es sich um einen historischen Film, Science-Fiction, Fantasy, gar einen zeitgenössischen Film handelt - am Ende machen die Details ein Set lebendig. Doch die kommen zum Schluss. Womit fängt es an?
Wie kommt eine Produktion zustande?
„Schließe Deine Augen!“ „Großes Kino“ soll entstehen, Dein „output“ gefragt. Die Reise beginnt.
Ein Producer ruft an. Bitte lies das Skript. Erste Gespräche geführt, Ideenskizzen und Brainstorming zu Papier gebracht. Motivbesichtigungen.
Bis dahin hatte jeder tausende Bücher, Skripte und Filme konsumiert, bestenfalls verarbeitet und Gedanken für die Zukunft gesammelt. Ich habe meinen Lieblingsstift und Notizbuch, Photoapparat und einige andere Gadgets dabei in meiner Reisetasche. Ich freue mich auf den Zufall und das Rendezvous mit der erlebten Vergangenheit, dem jetzt und dem was vor mir liegt. Auf der Suche nach dem großartigen Stil.
Lernen von den Meistern indem man ihnen über „die Schulter sieht“. Sir Ken Adam, der „grand seigneur“ unserer Szene beispielsweise, zeichnete seine Sets mit großzügigen klaren dunklen Strichen auf großformatiges Papier. Fast wie ein Bildhauer der seine Linie in den Stein meißelt. Das war sein großartiger Stil - unvergessliche Film-Sets entstanden.

Bei der letzten Film Dystopie an der ich arbeitete, bevorzugten Regisseur und Kameramann klare Kontraste. Offene, weite Räume und auch klaustrophobisch kleine. Dadurch kommt die Ich-Dimension hinzu. Der „horreur vacui“ wird umgekehrt und jeder soll die Lücken mit eigenem „thrill“ füllen. Es gab Skizzen, Modelle, Gespräche. Der Look, der Stil wurde definiert. Meine Sets sollen immer interessante Blickachsen bieten. Aber ich gestalte nach Prinzipien und Erinnerungen. Vielleicht Projektionen die zu Introjektionen geworden sind? Einen Stil zu haben klingt nach Großem, Verträumtem, Romantischem. Einem Egotrip vielleicht. Ist es die Harmonie des Ganzen die etwas stilvoll und unverkennbar macht?

Der Autorenfilmer hat sicherlich eine solche Meßlatte. Allerdings ist bei großen Produktionen doch eher die Einstellung eines Fabrikarbeiters gefragt.
Jeder Handgriff muß sitzen. Ich ziehe also einen schwarzen Strich auf weißem Papier - mein Minimalziel.
Bei „2001 A Space Odyssey“, kommt es mir in den Sinn, ist es umgekehrt. Das weiße Raumschiff vor Schwarz. Langsam schält sich eine Kubatur heraus - ein erster Wurf!

Die Welt um uns herum verschafft uns viele Eindrücke. Die Sonne bewegt sich um Dinge herum. Licht und Schatten wechseln sich ab. Gefüllte fließen in leere Flächen. Ich beobachte Menschen bei Tätigkeiten, die Bewegung der Wolken und vieles mehr. Ich blättere durch meine Gedankenordner nach gesehenen und erlebten Räumen und Orten. Ich brauche etwas ultimatives, Superstylisches - das überzeugende, geniale Set.
Flow, Panta Rhei - es läuft.
Ich bin auch eitel. Es soll auch etwas von mir mit hinein, etwas persönliches, aber nicht zu offensichtliches. Es macht Spaß und fühlt sich richtig an.
Ja, ich habe immer etwas Gutes zustande gebracht, wenn ich Spaß an der Aufgabe hatte. Ist das mein Stil? Nicht aufzugeben und nie den Spaß zu verlieren?
Wille zum Spaß? Jeder Film ist eigenwillig. Immer ist der Ausgangs- und Zielpunkt ein anderer. Manch ein Film weiß aber auch nicht wo er hin will oder was er sein will. Jedes Teil, das sich homogen in das Ganze einfügt vergrößert den Film, macht in fantastischer, harmonischer, unverwechselbarer und interessanter.

Dafür ist es wichtig Ideen schnell formulieren zu können. Sei es mit dem Bleistift auf Papier oder am Rechner. Ich benutze, je nachdem was gerade gebraucht wird, mal das eine - mal das andere.
Also doch - mein eigener kleiner „Stylos“ ist gefragt. Zeichnen bedeutet sehen lernen. Jeden Tag aufs Neue! Öffne Deine Augen für Alles und verstehe die dritte Dimension, denn durch Bewegung verändern sich Formen.
Sehe, wie ein Filmset entsteht.